Schädel-Hirn Trauma

Schädel-Hirn Trauma und rekonstruktive Neurochirurgie

Bei traumatischen Verletzungen des Schädels oder des Gehirns handelt es sich oft um  Blutungen oder Gehirnprellungen, welche mit einer Fraktur des Schädels und Weichteilverletzungen einhergehen können. In der Folge können je nach Unfallhergang und Begleitumständen auch Infektionen, insbesondere Abszesse, hinzukommen. Die akute neurochirurgische Behandlung bei raumfordernden und symptomatischen Blutungen ist in der Regel die Entfernung der Blutung und, falls notwendig, die Reparatur von Schädel und Hautverletzungen. Anschließend erfolgt, je nach Schweregrad der Verletzung, die intensivmedizinische Betreuung.

Blutungen (Hämatome) können wie folgt kategorisiert werden, wobei ein kombiniertes Auftreten möglich ist:

Epidurale Hämatome
imagesEpidurale Hämatome liegen zwischen dem Schädelknochen und der harten Hirnhaut (Dura mater). Sie entstehen meist durch die Verletzung eines arteriellen Blutgefässes ausserhalb der harten Hirnhaut, durch oberflächliche Blutungen aus großen venösen Blutleitern (Sinus) oder durch Blutungen aus einer Schädelfraktur. Letztere können beim Kreuzen des Verlaufes einer Hirnhautarterie auch direkt zu deren Verletzung beitragen. Epidurale Hämatome können sich rasch ausbilden und an Grösse zunehmen und dann ist die neurochirurgische Entfernung des Hämatoms und die Stillung der Blutungsquelle notwendig. Die Prognose epiduraler Hämatome ist umsoI besser je schneller neurochirurgisch interveniert wird und eine vollständige Heilung ohne neurologische Schäden ist möglich.

Subdurale Hämatome

Sudurale Hämatome liegen zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der darunter liegenden spinngewebeartigen weichen Hirnhaut (Archnoidea). Die Blutung entsteht meisst durch Einreisen von Venen, welche von der Hirnoberfläche zu den großen innerhalb der harten Hirnhaut liegenden Venen ziehen. Bei schwerem Trauma können auch Hirnprellungen durch Sickerblutungen direkt zur Ausbildung von subduralen Hämatomen beitragen.

Je nach Schwere des Traumas und der zeitlichen Abfolge der Blutung unterscheidet man zwischen akuten und chronischen subduralen Hämatomen, wobei auch eine Kombination von beiden vorliegen kann. Dabei sind das Ausmaß der traumatischen Energieeinwirkung und die resultierende Verletzung des Gehirns von großer prognostischer Bedeutung. Bei akuten subduralen Hämatomen ist in der Regel eine schnellstmögliche neurochirurgische Entlastung notwendig und es ist in vielen Fällen unerlässlich ein Stück des seitlichen Schädels zum Zweck der Druckentlastung zu entfernen um es dann, nach Abschwellung und Heilung des verletzten Gehirns, wieder einzusetzen oder durch ein Kunststoffimplantat zu ersetzen.

Bei chronischen subduralen Hämatomen, welche oft bei älteren Menschen auftreten, kann die Ursache schon in einem kleinen Trauma wie dem leichten Anstossen des Kopfes liegen. Dies kann wie oben erwähnt zum Einreißen von Brückenvenen führen und deren langsame Blutung resultiert nach Wochen und manchmal Monaten zur Ausbildung eines raumfordernden Hämatoms. Je nach dessen Lage können Kopfschmerzen, psychische Veränderungen, Sprachstörungen, Lähmungen oder Krampfanfälle auftreten und die neurochirurgische Entfernung des Hämatoms ist dann indiziert. Bei rechtzeitiger Operation ist eine Ausheilung ohne Restbeschwerden möglich.

Intrazerebrale Hämatome

Intrazerebrale Hämatome sind Blutungen innerhalb des Gehirngewebes, welche durch Einreißen von Blutgefässen nach stumpfer oder penetrierender Gewalteinwirkung auftreten können. Je nach Grösse und Lage innerhalb des Gehirns können die neurologischen Symptome sehr stark variieren und in jedem Fall ist ein sorgfältige CT- und eventuell MRI Bildgebung notwendig um das neurochirurgische Vorgehen festzulegen. Bei signifikanter Raumforderung mit deutlicher Deformierung des Gehirns und Verlagerung der Gehirnmittellinie sowie entsprechender neurologischer Symptomatik ist in der Regel die neurochirugische Entfernung des Hämatoms indiziert.

Rekonstrution des Schaedels
reconBeim Schädel-Hirntrauma können Schädeldeformierungen und Defekte entweder durch direkte Gewalteinwirkung oder in der Folge einer neurochirugischen Operation entstehen. Insbesondere bei Operationen zur akuten Entlastung des Gehirns kann es notwendig sein ein Stück der Schädkalotte zu entfernen (Kariektomie) und die Haut an dieser Stelle ohne Schädelknochen zu verschließen. Diese Operation wird häufig auch zur Druckentlastung beim akuten Schlaganfall durchgeführt. Nach der Abnahme der Gehirnschwellung muss dann die Knochenlücke wieder gedeckt werden um das darunter liegende Gehirn langfristig zu schützten und die Kontur des Schädels wieder herzustellen. Die heute zur Verfügung stehenden Techniken ermöglichen die exakte Rekonstruktion des Schädels durch Kunststoffimplantate. Dabei kann bei kleineren Defekten eine formbare Kunststoffmasse direkt während der Operation passgenau modelliert werden. Bei größeren Defekten wird die Form des Implantates auf der Basis einer Computertomographie (CT) zunächst in einer 3D Computersimulation exakt berechnet und geformt und dann aus Kunststoff individuell hergestellt. Bei der Implantation ist somit die optimale Passgenauigkeit garantiert und nach dem Verschluss der Haut ist die normale Schädelkontur wieder hergestellt.